Simple Food

Fein gehackt und grob gewürfelt. Doch wirklich. Das ist der Titel eines Buches, das im Original The pedant in der Kitchen heißt und von Julian Barnes ist. Ich schätze Julian Barnes sehr. Metroland begleitet mich seit  gefühlt über dreißig Jahren, ähnlich geht es mir mit Flaubert’s Parrot oder The Sound of an Ending. Nein, die Zeit stimmt natürlich nicht. Barnes hat diese Romane deutlich später geschrieben. Trotz sind es Bücher, die man immer wieder aus den mittlerweile, aus Mangel an Platz,  recht schlecht organisierten Bücherregalen zieht, um erneut einen Blick in sie zu werfen. Julian Barnes trifft eine Sprache, die mir entspricht, die schwierig ins Deutsche zu übertragen ist, die subtil witzig ist, aus der man sich nur schwer wieder lösen kann.

© Thomas Michael Glaw

Diese Woche stolperte ich in einem Antiquariat über die deutsche Übersetzung von The Pedant in the Kitchen. Julian Barnes ist ein – in seinen eigenen Worten – spät berufener Koch. Er ist außerdem ein Koch, der dazu neigt Anweisungen in Kochbücher geradezu sklavisch zu befolgen. Meiner Meinung nach ist das ein Rezept für garantiertes Desaster. Rezepte in Kochbüchern stellen – bestenfalls – eine Idee da. Eine Anregung. Eine von vielen Möglichkeiten mit guten Zutaten etwas noch Besseres zu gestalten. Für Julian Barnes sind sie quasi die in Stein gemeißelte Wahrheit.

Ich erwarb das Buch vor allem, um zu sehen, wie die Übersetzerin mit seiner Sprache umgeht. Julian Barnes ist sicher eine Herausforderung und auch diese Übersetzerin ist an ihm gescheitert. Das Buch wirkt, im Vergleich mit dem englischen Original, hölzern.

© Thomas Michael Glaw

Aber ich wollte ja eigentlich auf das Kochen heraus. Wir hatten am Freitag Michael zu Gast, mit dem es galt sein Cambridge C1 Diplom zu feiern und der zudem ein interessanter Gesprächspartner ist. Es war ein Abendessen mit Freund, wie sich Julian Barnes ausdrücken würde. Ich komponierte eine leichte Vorspeise aus Crevetten, Avocado, dem wunderbaren Saft von Orangen aus Amalfi (sorry guys, WIR haben die letzte Kiste bei Ortofrutta gekauft), einem leichten Steakpie (doch, das geht) und einer Nachspeise auf der Basis von gebackenem Ricotta und karamelisierten Pfirsichen. Die Rezepte gibt es bei Gelegenheit auf steaktogether .

Ein paar Flaschen Chateau Brejoux später kam der Freitag, wir waren eigentlich immer noch satt und trotzdem … eine Kleinigkeit wäre jetzt nicht schlecht. Ich inspiziere in solchen Fällen immer gerne – im Gegensatz zu Julian Barnes – Kühlschrank und Speisekammer. Hm … Crevetten, Fenchel, Frühlingszwiebeln … eine halbe Kiste Papardelle von DeCecco. Was könnte man damit machen?

© Thomas Michael Glaw

Nun man könnte Fenchel und Frühlingszwiebeln streifig schneiden und in einer Pfanne in Butter andünsten bis die Zwiebel leicht golden wird (Maillard Reaktion, für die Chemiker unter uns) dann fügt man pro Person fünf bis sechs Crevetten hinzu. In der Zwischenzeit hat man die Papardelle (Tagliatelle gehen auch) al dente gegart. Dann löscht man den Gemüse/Crevetten Mix mit dem Saft einer jener großartigen Orangen ab (Ich weiß, sie sehen gräßlich aus, aber Duft und Geschmack …) und gibt einen Schuss Noilly Prat zu. Klar, das kling jetzt ziemlich versnobt, aber glauben Sie mir, mit Cinzano oder wie das Zeug heißt ruinieren Sie dieses Gericht. Anschließend müssen Sie nur noch die Pasta mit dem Inhalt der Pfanne vermischen, reichlich frischen, schwarzen Pfeffer hinzufügen und: voila.

© Thomas Michael Glaw

Noch eine Bitte zum Schluss: keinen Parmigiano.

Bitte

BITTE.

Römische Reminiszenzen

Manchmal muss man Rom einige Tage oder Wochen hinter sich lassen, um einen klaren Blick auf das zu werfen, was man erlebt hat. Es mag wohl sein, dass dies bei jeder großen Stadt so ist, aber bei Rom und New York finde ich diese Sentiment am auffälligsten.

Gewiss, manchmal fallen mir auch zu meiner Wahlheimat München entscheidende Dinge erst ein, wenn ich wieder in meiner römischen Lieblingspizzeria, am Freitagabend in Monti sitze (und nein, ich schreibe jetzt nicht, wie die heißt oder wo sie zu finden ist – Kennern der Szene ist der „Freitagabend“ Hinweis genug ;).

Es war wohl der letzte Besuch in Rom für dieses Jahr, zumindest habe ich noch keinen weiteren Grund (und keinen weiteren Auftraggeber) finden können.

Die ewige Stadt … doch, ein wenig Ewigkeit beschleicht einen schon, wenn man durch die Straßen streift, Freunde trifft, Fremde beobachtet … man kann sich sogar in einem Irish Pub in einer Vorstadt heimisch fühlen – es müssen nur die richtigen Gäste da sein.

Kunstausstellungen.

M C Escher - Rom

M C Escher – Rom

Doch, ich mag Kunstausstellungen. Ich besuche auch regelmäßig dieselben. Und ärgere mich jedes Mal, wenn mich als allerersten ein großes Schild anschreit: FOTOGRAFIEREN VERBOTEN! Ich spare mir jetzt die Übersetzung in diverse Sprache – es ist überall dasselbe, vor allem bei kleineren Ausstellungen. Große Museen haben längst erkannt, dass in der Fotografie keine Gefahr steckt. Ich erinnere nur an Bendor Grosvenor wunderbar ironischen Artikel in der Financial Times vom 23. August 2014 – es macht keinen Sinn die Fotografie zu verbieten, viele große Museen (Louvre, Metropolitan, Royal Gallery) haben schon reagiert und dieses sinnlose Verbot aufgehoben. Warum sinnlos? Die meisten Touristen können sowie keine hochwertigen digitalen Bilder auf die schnelle machen, warum auch? Wen es wirklich interessiert kauft einen Katalog – wenn er denn gut gemacht ist und den Preis wert. Was ein solches Verbot verhindert, ist Besucher mit den Kunstwerken abzubilden, was es verhindert, ist Kunst, ist Beobachtung, ist Festschreiben von Zeitgeschichte. Julian Barnes Einleitung zu „Metroland“ ist ein wunderbares literarisches Beispiel dafür …

Es ist einfach nur dumm.

Es war übrigens eine Ausstellung zu M C Escher im Chiostro del Bramante, das diesen kleinen Ausbruch auslöste. Sehenswert, wenn auch etwas teuer, den Katalog würde ich zu dem Preis nicht kaufen. Und das Bild hier ist natürlich illegal, aber ich konnte nicht widerstehen und so ein Handy ist schon eine tolle Sache, wenn man weiß wo eine Kamera hängt und mit wem eine der unendlich vielen Aufsichten gerade ratscht.

Einfach nur schlafen,

Sleeping in Rome

Sleeping in Rome

war noch nie sonderlich einfach ein Rom, zumindest wenn man wie ich gerne ein Fenster offen lässt. (Ma i ladri, dottore ! …. ich weiß, ich weiß Paolo, die Diebe) Es sind weniger die Diebe als die zwischen zwei und fünf Uhr morgens ihre Runden machende Müllabfuhr, die die Nachtruhe erschweren. Für mehr und mehr Menschen, ist es aber nicht der ubiquitäre Lärm, sondern schlicht die Not, die die Nachtruhe erschwert. Ich habe noch nie so viele Menschen in Ecken, auf vatikanischem Marmor und auf Bänken schlafen sehen in Rom, wie dieses Jahr. Und nein, das sind keine organisierten Bettler (die schlafen in den Vorstädten, nachdem sie der Minibus abgeholt hat) und auch keine Asylanten (die trauen sich das schlicht nicht) … das sind Menschen, wie du und ich, die auf der Straße gelandet sind. Hat es schon immer gegeben, sagen Sie – gewiss, aber es ist die schiere Zahl, die mich sehr nachdenklich macht.

Noch eine Schlussbemerkung.

Palazzo del Lavoro - Roma

Palazzo del Lavoro – Roma

Kennen Sie den Palazzo della Civiltà Italiana? Nein? Ich kannte ihn auch nicht. Die Römer nennen ihn meisten Palazzo del Lavoro. Es ist ein Überbleibsel des „buio“, der dunklen Zeit, wie es Indro Montanelli so schön nannte, ein gewaltiger Klotzkasten, dessen Fensteranzahl (sechs mal neun) für die Namen des Auftraggebers stehen: Benito Mussolini. Durchaus einen Besuch wert, vor allem am Abend, wenn man einmal faschistische Architektur studieren will.

Warum ich das hier erwähne? Man kann dort prima parken, wenn man in einem Hotel in der westlichen Peripherie haust und sich mit Freunden zum Freitagabend treffen will 😉