Köln en passant

Es war tatsächlich „en passant“ geplant. Hauptgrund, von Münster aus einen Abstecher nach Köln zu machen, war eine Fotoausstellung im Museum Ludwig. Die Fotografien erwiesen sich jedoch als so konventionell, dass eine Erwähnung mir nicht notwendig erscheint. Ich beginne langsam zu vermuten, dass der Kölner Kulturklüngel gute Beziehungen zur FAZ pflegt, denn es war wieder einmal eine Kritik in der FAZ, die mich ins schöne Köln gelockt hat. Und wiederum waren das beste an der ganzen Reise ein paar Kölsch.

Na ja, nicht ganz.

Wir hatten uns spontan entschlossen, nach den verschiedenen Weihnachtsmärkten mit ihrem Gedränge, ihrem Geschiebe, den vielen Glühweinständen und Frittenbuden, den Tag mit einer Vesper in Groß Sankt Martin bei der Gemeinschaft von Jerusalem, ausklingen zu lassen. Es sollte eine ruhige Stunde sein, bevor wir uns wieder mit dem Regionalexpress nach Münster aufmachten.

Die Ruhe ließ sich schon beim Betreten des mächtigen, steinernen Baus fast mit Händen greifen. Nur wenige Menschen saßen auf den Stühlen, die Mitglieder der Gemeinschaft knieten im Vorraum des Altars.

© Thomas Michael Glaw

Stille

Nahm man am Anfang noch das eine oder andere Geräusch der nahen Weihnachtsmärkte war, so war es eine innere Stille, die sich der Seele bemächtigte und alles Äußere, die Stimmen, das Gelächter, vom Glühweinkonsum verstärkt, verdrängte.

Weihrauch und dunkle Tönen bildeten die Leinwand für den Sopran der jungen Schwester, die den Raum füllt. Alte Texte, bekannte Gebete.

Es ist, als ob sich Raum und Duft zu einem Kokon verbinden, der behütet vor all dem sinnlosen Geplapper, das einen überall bedrängt und vereinnahmt.

Langsam wird der Raum heller, Kerzen erleuchten. Auch die Helligkeit erreicht mich. Ich nahm Ruhe und Dunkelheit, das Warten auf das Helle mit in diese letzte Woche vor Weihnachten.

Dona nobis pacem.
Herr gib uns Frieden.

Kaum ein Wort kann wohl passender in der heutigen Zeit sein, als dieses.