Last Words 2017

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag „Grau“ nennen – aber dann hätte ihn niemand gelesen. Mein Herz gehört immer noch der schwarz-weiß Fotografie.  Vor allem den Grauwerten in ihr, was mich zum eigentlichen Thema dieses Jahresabschluss Blogs bringt.

Grauwerte.

Mir scheint, heutzutage muss alles in schwarz-weiß präsentiert werden. Wer für Flüchtlinge ist, sagt das gerade heraus, wer auch nur den leisesten Zweifel daran hegt, wie das im Moment läuft, ist ein Nazi. Nachdenken heißt noch lange nicht, dass man die Pappnasen von der AfD wählt. Die CDU möchte am liebsten alles begrenzen, anstelle einfach genau hinzuschauen und die aufzunehmen, die wirklich unserer Hilfe bedürfen. Helfen ist Christenpflicht. Judenpflicht, Moslempflicht. Das Hilfsgebot dem Schwachen gegenüber existiert in allen großen Religionen. Wir sollten uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern einander helfen. Oder mal wieder Lessing lesen. Ringparabel. Klingelt das etwas?

Was das mit diesen Bildern zu tun hat?
Ich habe aus etwa 3000 schwarz-weiß Bildern die ausgewählt, die mich immer noch berühren. Und zwar, weil sie so viele Grauwerte haben. Schatten. Verstecktes. Nachdenkenswertes.

So wie unser Leben.

© 2017 Thomas Michael Glaw

Was denken Sie, wo dieses Geschäft ist?
In Wien?
In München?
Bestimmt nicht in Zürich …

Es ist in Rom.
Niemand, dem ich dieses Bild bisher zeigt, ist darauf gekommen. Doppelgänger ist einfach zu Deutsch. Ist es nicht so mit vielen Menschen und Situationen, die uns tagtäglich begegnen? Schwupp haben wir eine Klassifikation. Ob sie stimmt, ist eine andere Frage. Ob sie weiter führt, ein ganz andere.

Ich mag dieses Bild. Die Menschen in ihm. Die Geschwindigkeit. Auch die Langsamkeit.

 

Wer mein Blog regelmäßig liest, wird sich vermutlich auch an dieses Bild erinnern.

© 2017 Thomas Michael Glaw

Prag. Jüdischer Friedhof.

Es ist annähernd ein Jahr her, dass ich dort fotografiert habe. Die Teilnahmslosigkeit der Massen, die sich über diesen Friedhof schoben, spüre ich noch immer. Den mangelnden Respekt. Alle Welt spricht heute darüber, wem und wem nicht, wann und wann nicht Respekt zu erweisen ist.

Aber keiner handelt danach.

Warum geht man über einen jüdischen Friedhof, wenn einen das kein bisschen bewegt?
Warum schiebt man sich durch eine Synagoge, an deren Wänden Tote, Tote und nochmals Tote aufgelistet sind? Liebe deutsche Freunde: wir kommen aus dieser Kiste nicht heraus. Es waren Deutsche, die dem Morden eine industrielle Komponente verliehen haben. Dagegen sind die Kreuze an der Via Appia, die Amis und ihr Agent Orange mit dem folgenden Bombardements, die dreißig Jahre früher auch deutsche Städte erdulden mussten, nichts. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Deswegen kann man trotzdem die Politik des Staates Israel und auch den Unfug, den Donald Trump so verzapft, kritisieren. Man sollte sich nur des anderen immer bewusst bleiben. Vielleicht sollten allerdings auch so manche mit dem gerne bemühten Begriff Antisemitismus ein wenig vorsichtiger umgehen.

 

© 2017 Thomas Michael Glaw

Für mich ist auch dieser Reichstag hin Gittern ein wenig sinnbildlich für das Jahr 2017. Die Politik und ihre Akteure haben sich ein Stück weiter von denen entfernt, die sie vertreten: von uns. Ich schreibe bewusst nicht vom Volk, denn dieser ehedem ehrwürdige Begriff – erinnert sich noch jemand an populus romanus? – ist entwertet worden, als säße man als Teil des Volkes in der Gosse, und die Volksvertreter säßen auf halbem Weg zum Olymp. Die Griechen dachten das auch schon einmal – das Erwachen war sicher hart.

In verantwortungsvollen Positionen braucht es Erfahrung, schallt mir jetzt sicher entgegen. Meine Partnerin Dorothea Lubahn befasst sich seit langen mit einer Methode, die effectuation genannt wird (be³ consulting). Es ist ein Weg, wie junge Unternehmen -start ups- , aber auch jede andere Gruppe, die neue Wege beschreiten will, experimentell solche neuen Wege entdecken kann. Wir sollten keine Angst vor neuen Wegen haben, wir sollten sie ausprobieren. Alternativlos hat ausgedient.

Noch ein letztes:

© Thomas Michael Glaw

Ich weiß, wir hatten das schon mal.
My apologies to the regulars.

Für mich persönlich bleibt es mein Bild des Jahres.
Für mich steckt da alles drin.

Liebe.
Vertrauen.
Wärme.
Rückhalt.
Alles geben.
Die Welt verändern.

Euch allen ein gesegnetes Jahr 2017.
Ich weiß, Erfolg ist keiner der Namen Gottes, sagt Martin Buber.

Trotzdem: Let’s go for it.

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