Berlin O

Wanderer, kommst du nach Berlin, so möchte man schillernd beginnen, nur was sollte man denn verkündigen, wenn man denn angekommen ist? Wenn man den Charme und das kleinflächige Chaos des Flughafens Tegel, so es einem gelingt, den passenden Stadtbus zu finden, hinter sich gelassen hat, erwarten einen die üblichen desolaten Straßen und die wunderbaren Berliner Busfahrer, die damit brillant umzugehen wissen. Eigentlich wollten wir ja auch gar nichts verkünden, sondern einfach ein paar Tage in Deutschlands Hauptstadt genießen.

In der wenigen zur Verfügung stehenden Zeit, sollte dieses Mal vor allem der Osten der Stadt erkundet werden – auch, um zu sehen, ob es denn noch den berühmten kleinen Unterschied zwischen West und Ost gäbe. Wir können Sie beruhigen: vielleicht war es mangelnde Sensibilität unsererseits, aber wir konnten keinen feststellen.

Nachdem die Architekturfotografie zu unseren Arbeitsfeldern gehört, wollten wir zunächst einmal die Karl-Marx-Allee entlang laufen. Das Kino International ist und bleibt eine Stilikone.

Kino International Berlin – © 2017 Thomas Michael Glaw

Vieles in dieser Straße ist optisch immer noch interessant, jedoch fotografisch schwer umzusetzen. Das Licht war nicht perfekt, viele spannende Eingangsbereiche werden gerade renoviert, und doch lassen sich immer wieder wunderschöne kleine Stillleben finden.

Karl Marx Allee Berlin – © 2017 Thomas Michael Glaw

Unser Spaziergang führte uns dann an die East Side Gallery. Uns war klar, dass das ein Touristenmagnet ist, dass die Selfie Brigade allerdings in derartigen Mengen dort aufkreuzen würde, hatte ich mir nicht vorgestellt. Die Bilder schienen nicht wirklich zu interessieren, bestenfalls als Hintergrund. Ein Pärchen in den frühen Fünfziger entblödete sich nicht, als Bettler vor der Wand zu posieren. Es sind sicher auch dieselben, die die vielen Bettler einfach weiter schicken, wahrscheinlich auch ohne auf ihren oft vorhandenen Wortwitz einzugehen. Da drückt man schon mal den einen oder anderen Euro ab. Es war die dem Wasser zugewandte Seite, die die spannenden Bilder bot.

East Side Gallers Berlin – © 2017 Thomas Michael Glaw

Mich faszinierte hier der natürliche Übergang zwischen schwarz-weiß und farbig. Um den Alexanderplatz herum lassen sich noch am ehesten Zeugnisse der zur Schau gestellten, vermeintlichen Modernität des Regimes in der Hauptstadt der DDR finden. An vielen der Gebäude nagt eindeutig der Zahn der Zeit, und doch stehen sie für eine architektonische Moderne, die in ihrer gesellschaftlichen Komponente nie in der DDR angekommen ist.

Berlin Alexanderplatz – © 2017 Thomas Michael Glaw

Auch wenn die Trambahnen eine gewisse Farbigkeit ins Bild bringen, so ist das grau unübersehbar. In einigen Teilen Ostberlins ist dieses zur Schau gestellte grau einer Farbigkeit gewichen, die einen Gegenentwurf darstellt, so wie hier am Prenzlauer Berg, wo sich ein sympathischer Kietz gebildet hat, ein Kietz in dem man gerne spazieren geht und in Cafés wie dem „Hüftengold“ gerne frühstückt und die Bienen bei ihrer Arbeit beobachtet.

Cafe Hüftengold Berlin – © 2017 Thomas Michael Glaw

 

 

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