Fachwerk

Fachwerkhäuser.

In Großbritannien nennt man das Tudor Style.

Weiße Flächen, gebrochen durch dunkle Balken.

Es hat immer etwas altertümliches. Menschen, die in der Vergangenheit ruhen.  Es gab tatsächlich eine Zeit, in der solche Bilder einen Bezug zur Geschichte herstellten. Heute stellen sie allenfalls einen Bezug zu einer Marketingkampagne her. Tourismusmarketing.

© 2017 Thomas Michael Glaw

Ich war auf dem Weg zu meiner Mutter, als ich durch die wenigen, verbliebenen Straßen in der Altstadt eines badischen Städtchens stromerte. Wir wollten eigentlich eine Kleinigkeit essen. Es war kurz vor acht am Abend. Das erste Gasthaus war … geschlossen. Also nicht wirklich. Es gab keine Schilder, es gab auch nichts im Web. Aber es war offensichtlich. Es war zu. Wie weit kann man sich von der Realität des Lebens im 21. Jahrhundert entfernen?

Nun ja, es gab gegenüber noch ein Gasthaus. Als wir hinein gingen, erklärte mir der Besitzer, dass er vor zwanzig Minuten die Küche geschlossen hätte, weil sowieso niemand käme. Es war kurz vor  halb acht. Nun ja, eine deutsche Kleinstadt. Der Besitzer meinte, „Klaus, nebenan“ hätte noch offen. Der Ratskeller. Wo früher mein Mathelehrer versumpft ist. Vier Männer spielen lautstark ein obskures Kartenspiel mit deutschem Blatt, an einem weiteren Tisch ergingen sich ein halbes Dutzend bereits ziemlich angeheiterter Männer und Frauen lautstark über ihre Nachbarn. Davon abgesehen: die Maultaschen waren ausgezeichnet. Der Wein auch.

© 2017 Thomas Michael Glaw

Beim Gang zurück ins Hotel durch die Altstadt sahen wir viele fast leere Kneipen. Einzelne Männer, die eine oder andere Frau. Es wird einem bewusst, wie leer das Leben in Deutschlands Kleinstädten ist. Am lebendigsten war ein Tisch mit Männern, die Arabisch aus dem Maghreb sprachen.

Beim Weg durch die abendliche Stadt am folgenden Tag, bei einem Glas Wein in einem Lokal, hörten wir Belanglosigkeiten, sahen bunte Farben, gefärbte Haare. Die Nacht enthüllte, nichtsdestotrotz, einige Perspektiven, die wir in der morgendlichen Sonne noch einmal betrachten wollten.

© 2017 Thomas Michael Glaw

Der Morgenspaziergang, bei dem auch diese Bilder entstanden, zeigt zum einen die graphische Schönheit dieser Strukturen, zum anderen aber auch die Leere der Stadt. Wenige Menschen waren auf dem Weg in die Kirche an diesem Sonntag morgen, wenige Menschen waren überhaupt unterwegs. Der Stadt fehlte das städtische Leben. Sagte man nicht einstmals: „Stadtluft macht frei“? Die Stadtluft dieser Kleinstädte finde ich eher erdrückend. Hier passiert nichts. Und was auch immer passiert, dient keinem wirklichen Zweck. Bürgerliches Leben findet nicht statt. Das Leben schleicht dahin, so wie der Bach, der langsam durch den Ort zieht. Kurz vor dem Versiegen. Nur dass die Bürger wahrscheinlich vor dem Fernseher versiegen werden.

Ich war ganz ehrlich froh, zu gehen. So wie ich das immer bin.

Aber die Perspektiven waren schön.

 

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