Pariser Geschichten (2)

Natürlich kann man nicht durch Paris gehen, ohne über die vielfältigen architektonischen Versuche unterschiedlicher Epochen zu stolpern.

Moderne Gestaltung scheint geraden Linien zu huldigen, sei es bei Gebäuden, bei Flüssen, bei Kanälen. In Paris scheinen die Versuche moderner Architektur immer wieder Relikten vergangener Tage zu begegnen. Die Geradlinigkeit begegnet anders geformten Linien, die oft viel mehr dem menschlichen Leben entsprechen – denn wessen Leben verläuft schon in geraden Bahnen.

Opernbuchhandlung Paris - © Thomas Michael Glaw

Opernbuchhandlung Paris – © Thomas Michael Glaw

Die Schlichtheit des Geraden zieht auch mich immer wieder an; Linien, die ihre Fortsetzung im Unendlichen erfahren. Linien, denen allerdings etwas fehlt, etwas das Friedrich Schiller im 15. Brief über die ästhetische Erziehung des Menschen, als ein zentrales Element des menschlichen überhaupt beschreibt: das Spiel.

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Das Spielerische macht unseren Tag, unsere Nächte aus. Wenn wir nicht spielen, leben wir nicht. Selbst das dröge Befolgen von Regeln, das man in diesem Land, in dem ich meistens lebe, so liebt, ist auch nur ein Befolgen von Spielregeln. Nur dass Deutsche diese eben besonders ernst nehmen.

Noix de Coco / Rue de Lancry - © Thomas Michael Glaw

Noix de Coco / Rue de Lancry – © Thomas Michael Glaw

In Paris gibt es ein Museum, wo man das Spielerische besonders schön betrachten kann, auch wenn die Mehrzahl der Besucher (das bitte ich jetzt inklusiv zu verstehen) es eher als Spielplatz ihrer Kameras und Mobiltelefone betrachtet. Diesem Spielplatz möchte ich mich aber in meinem dritten Beitrag widmen.

Spielerische Linien in der Architektur.
Ich finde sie immer wieder in Läden und in den Menschen in, vor und um diese Läden.

Wenn man sich einmal jenseits der, vom Einheitsbrei international tätiger Konzerne geprägten, Fassaden, die leider in München, ebenso wie im kommerziellen und touristischen Zentrum von Paris, die Landschaft prägen, umschaut, so kann man Erstaunliches finden.

Antoine et Lili / Quai de Valmy - © Thomas Michael Glaw

Antoine et Lili / Quai de Valmy – © Thomas Michael Glaw

Farben und Formen, die Menschen ansprechen. Kunden und Besitzer, die miteinander noch wirklich sprechen und nicht nur in einen marktorientierten Dialog eintreten. Menschen, die nicht in Form und Farbe dem entsprechen, was die entsprechenden Hochglanzjournale von uns erwarten.

Ich verfolge das Thema Läden und Ladenfassaden seit langem. Wo Menschen kommen und gehen entstehen Geschichten, die es wert sind aufgezeichnet zu werden.

Menschlicher Umgang miteinander ist immer auch ein Spiel. Ein Spiel mit vielen Varianten und Variablen, ein wenig wie das Spiel mit den Linien: endliche und unendliche, gerade und gekrümmte.

Im Village St. Paul - © Thomas Michael Glaw

Im Village St. Paul – © Thomas Michael Glaw

Paris ist, ähnlich wie übrigens auch Köln, eine wahre Fundgrube für kreative Ideen, für Menschen, mit guten, wenn auch bisweilen ein wenig schrägen Ideen – etwas, dass mir im kommerziell so durchgestylten München immer mehr fehlt.

Ich freue mich auf die weitere Arbeit mit Fassaden und den Menschen, die sie beleben.

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