Nikolaustag

Nikolausgedanken jenseits von Apfel, Nuss und Mandelkern. Vor einigen Tagen habe ich Bilder zum Thema Münster sortiert und zusammengestellt; es sollten Momente werden, Einblicke, Vignetten. Ein Blatt im Korb eines Fahrrades, Menschen auf mittelalterlich anmutenden Straßen, Dächer, Winkel, Spiegelungen.

Münster

Münster

Als ich heute über die Auswahl schaute, fiel mir noch ein Bild ein, das ich vor einigen Wochen gemacht hatte. Es war ein quasi zugemauertes Haus gewesen, kleine Fenster, schwer vorzustellen, dass dahinter Menschen hausten.

Hausen.
Was für ein Wort.
Verbinden wir heute damit eigentlich noch „ein zuhause haben“?
Heißt „hausen“ nicht vielmehr in Unordnung, in unwürdigen Verhältnisse leben?

Hausen

Hausen

In den letzten Monaten habe ich an einer kleinen Erzählung gearbeitet, in deren Zentrum zwei obdachlose Frauen stehen (www.benedict.schoenheit.wordpress.com). Das Bild erinnerte mich an viele Gedanken, die mich im Prozess des Schreibens begleiteten.

Warum ich dabei an den Nikolaus denke?
Nur der Heilige hat, der Legende nach, Mädchen durch seine Gabe, im weitesten Sinne, befreit. Manchmal, denke ich, kann auch heute noch ein Nikolaus, der seine Aufgabe ernst nimmt, und nicht nur Erfolgsgehilfe überforderter Eltern ist, ein Lächeln bewirken. Vielleicht sogar eine Befreiung von Druck.

Menschen frei machen, zu dem was sie wirklich wollen. Ob es nun Kinder sind oder Erwachsene. Seit der Aufklärung hat sich die Gesellschaft, wenn auch zögerlich, dieses Ziel auf die Fahnen geschrieben. Sapere Aude. Aber nun mal ganz ehrlich: wie viel davon haben wir denn wahr gemacht?

Münster

Münster

Gestern hörte ich die Geschichte eines 9-jährigen Jungen, der es seinen Eltern wahrlich nicht leicht macht. Ich glaube, er weiß, trotz seines Alters, schon ziemlich genau wer er ist, und fordert eine gewisse Freiheit ein. Natürlich muss Freiheit Grenzen haben. Grenzen, die durch die mögliche Verletzung anderer definiert sind. Trotzdem hat mich diese Geschichte berührt.

Münster

Münster

Ich glaube nach wie vor, dass Glaube frei macht. Manchmal bin geneigt zu sagen trotz der Kirche, der ich angehöre. Ich wünsche allen Kinder und Erwachsenen, dass sie in dieser vorweihnachtlichen Zeit ein wenig Freiheit gewinnen, ein wenig Freiheit gewähren und ein wenig diejenigen loslassen können, die sie gar zu eng an sich binden wollen.

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