Römische Reminiszenzen

Manchmal muss man Rom einige Tage oder Wochen hinter sich lassen, um einen klaren Blick auf das zu werfen, was man erlebt hat. Es mag wohl sein, dass dies bei jeder großen Stadt so ist, aber bei Rom und New York finde ich diese Sentiment am auffälligsten.

Gewiss, manchmal fallen mir auch zu meiner Wahlheimat München entscheidende Dinge erst ein, wenn ich wieder in meiner römischen Lieblingspizzeria, am Freitagabend in Monti sitze (und nein, ich schreibe jetzt nicht, wie die heißt oder wo sie zu finden ist – Kennern der Szene ist der „Freitagabend“ Hinweis genug ;).

Es war wohl der letzte Besuch in Rom für dieses Jahr, zumindest habe ich noch keinen weiteren Grund (und keinen weiteren Auftraggeber) finden können.

Die ewige Stadt … doch, ein wenig Ewigkeit beschleicht einen schon, wenn man durch die Straßen streift, Freunde trifft, Fremde beobachtet … man kann sich sogar in einem Irish Pub in einer Vorstadt heimisch fühlen – es müssen nur die richtigen Gäste da sein.

Kunstausstellungen.

M C Escher - Rom

M C Escher – Rom

Doch, ich mag Kunstausstellungen. Ich besuche auch regelmäßig dieselben. Und ärgere mich jedes Mal, wenn mich als allerersten ein großes Schild anschreit: FOTOGRAFIEREN VERBOTEN! Ich spare mir jetzt die Übersetzung in diverse Sprache – es ist überall dasselbe, vor allem bei kleineren Ausstellungen. Große Museen haben längst erkannt, dass in der Fotografie keine Gefahr steckt. Ich erinnere nur an Bendor Grosvenor wunderbar ironischen Artikel in der Financial Times vom 23. August 2014 – es macht keinen Sinn die Fotografie zu verbieten, viele große Museen (Louvre, Metropolitan, Royal Gallery) haben schon reagiert und dieses sinnlose Verbot aufgehoben. Warum sinnlos? Die meisten Touristen können sowie keine hochwertigen digitalen Bilder auf die schnelle machen, warum auch? Wen es wirklich interessiert kauft einen Katalog – wenn er denn gut gemacht ist und den Preis wert. Was ein solches Verbot verhindert, ist Besucher mit den Kunstwerken abzubilden, was es verhindert, ist Kunst, ist Beobachtung, ist Festschreiben von Zeitgeschichte. Julian Barnes Einleitung zu „Metroland“ ist ein wunderbares literarisches Beispiel dafür …

Es ist einfach nur dumm.

Es war übrigens eine Ausstellung zu M C Escher im Chiostro del Bramante, das diesen kleinen Ausbruch auslöste. Sehenswert, wenn auch etwas teuer, den Katalog würde ich zu dem Preis nicht kaufen. Und das Bild hier ist natürlich illegal, aber ich konnte nicht widerstehen und so ein Handy ist schon eine tolle Sache, wenn man weiß wo eine Kamera hängt und mit wem eine der unendlich vielen Aufsichten gerade ratscht.

Einfach nur schlafen,

Sleeping in Rome

Sleeping in Rome

war noch nie sonderlich einfach ein Rom, zumindest wenn man wie ich gerne ein Fenster offen lässt. (Ma i ladri, dottore ! …. ich weiß, ich weiß Paolo, die Diebe) Es sind weniger die Diebe als die zwischen zwei und fünf Uhr morgens ihre Runden machende Müllabfuhr, die die Nachtruhe erschweren. Für mehr und mehr Menschen, ist es aber nicht der ubiquitäre Lärm, sondern schlicht die Not, die die Nachtruhe erschwert. Ich habe noch nie so viele Menschen in Ecken, auf vatikanischem Marmor und auf Bänken schlafen sehen in Rom, wie dieses Jahr. Und nein, das sind keine organisierten Bettler (die schlafen in den Vorstädten, nachdem sie der Minibus abgeholt hat) und auch keine Asylanten (die trauen sich das schlicht nicht) … das sind Menschen, wie du und ich, die auf der Straße gelandet sind. Hat es schon immer gegeben, sagen Sie – gewiss, aber es ist die schiere Zahl, die mich sehr nachdenklich macht.

Noch eine Schlussbemerkung.

Palazzo del Lavoro - Roma

Palazzo del Lavoro – Roma

Kennen Sie den Palazzo della Civiltà Italiana? Nein? Ich kannte ihn auch nicht. Die Römer nennen ihn meisten Palazzo del Lavoro. Es ist ein Überbleibsel des „buio“, der dunklen Zeit, wie es Indro Montanelli so schön nannte, ein gewaltiger Klotzkasten, dessen Fensteranzahl (sechs mal neun) für die Namen des Auftraggebers stehen: Benito Mussolini. Durchaus einen Besuch wert, vor allem am Abend, wenn man einmal faschistische Architektur studieren will.

Warum ich das hier erwähne? Man kann dort prima parken, wenn man in einem Hotel in der westlichen Peripherie haust und sich mit Freunden zum Freitagabend treffen will 😉

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