utopisches eins

Eine Reise nach Deutschlands Mitte und Norden wurde zu einer Reise in utopische Gefilde. Am Anfang standen viele Gespräche, mit Freunden, mit Partnern … Pläne wurden geschmiedet, Ideen konkretisiert. Das Wort Utopie, Thomas Morus entlehnt, und mit der eigentlichen Bedeutung „ou topos“, also kein Ort, gewann langsam Gestalt an vielen Orten, in vielen Ideen.

Wir waren dabei Zukünftiges zu gestalten, Ideen zu entwickeln, nicht um der Idee willen, sondern um wirklich Reales zu gestalten.

Die Verbindung zur Utopie kam mir zum ersten Mal als die Reise nach Bremen weiterging und ich nach langer Zeit wieder einmal in der Bötcherstrasse stand. Eine Utopie in Backstein.

Böttcherstrasse - Bremen

Böttcherstrasse – Bremen

Ich habe mich oft gefragt, was Roselius und Hoetger eigentlich wollten. Was war der Geist der Zeit, was wohl der „genius loci“.

Man muss heute schon recht nah an die Objekte, Häuser, Wände, Gestaltungselemente herangehen um das ungeheuer Moderne in ihnen zu erkennen. All das, was hier bildlich dargestellt ist, entstand vor über neunzig Jahren. Natürlich war viel zerstört, aber es wurde nach dem alten Vorbild wieder restauriert.

War es alles nur Spiel?
Was war das Utopische am Haus Atlantis?
Was faszinierte die Intellektuellen in jenen Zwischenkriegsjahren an der Idee Atlantis – man denke nur an Gerhart Hauptmann.

Boettcherstrasse - Bremen

Boettcherstrasse – Bremen

Es ist heute, auch eingedenk der Besucherströme, die sich durch diese kaum einhundert Meter lange Gasse wälzen, recht schwierig den utopischen Gedanken nachzuspüren.

Das Interesse der Durchschnittsbesucherin, des Durchschnittsbesuchers dürfte wohl überwiegend auf ein schönes Selfie beschränkt sein.

Kulturpessimismus?

Doch ja, ein wenig schon. Ich habe die Massen in Venedig im Juli, in Rom im August geduldig ertragen- in dieser engen Gasse wäre ich gerne ein wenig allein gewesen mit meinen Gedanken.

Hoetger hat irgendwann versucht, sich den Nazis anzubiedern; er musste trotzdem fliehen, weil seine Kunst als entartet eingestuft wurde. Ist es so schwierig zu den eigenen Utopien zu stehen – oder waren es doch die falschen?

Boettcherstrasse - Bremen

Boettcherstrasse – Bremen

Wir leben seit dem Ende des letzten Weltkrieges in einer Zeit der Dystopien, der negativen Zukunftsentwürfe – auch Arno Schmid, der als nächstes auf meinem Besuchsprogramm stand, war Teil dieser Strömung, die bis heute Bestand hat. Moderne Utopien sind bestenfalls auf Gewinnmaximierung ausgerichtet und werden üblicherweise in der Harvard Business Review publiziert.

Wo sind die Utopien, die uns Richtung geben?

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