Night and Day

Es war das alte Lied von Frank Sinatra, das mir in den Sinn kam, als ich an diesen Lampen vorbei ging. Ich war schon dutzende Male an ihnen vorüber gegangen, heute schien das Licht zu stimmen – oder war es meine innere Stimmung?

Sinatras Lied ist im Kern ein Liebeslied, ich sah jedoch einfach das Helle und das Dunkle der Lampen und musste an helle und dunkle Seiten unseres Lebens denken

Ich war mit meinen Gedanken bei einem Artikel in der heutigen FAZ. Es ging darin um Kinderpornografie und das Recht zu fotografieren weiter einzuschränken. Ersteres erregt in mir immer wieder Übelkeit. Vielleicht bin ich, in Werner Schneyders Sinn, zu konservativ um die Beweggründe dieser Männer verstehen zu können. Ich habe viel Zeit mit Jugendlichen verbracht, bin mit vielen durch halb Europa gereist, habe so manchen (weisen?) Rat erteilt, so manche Träne getrocknet und in so manches Lachen herzhaft eingestimmt.

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Wollen Sie wissen was mich wirklich sauer macht? Das wir, die reiche erste Welt, nicht in der Lage sind anderen Ländern zu politischer Stabilität und bescheidenem Wohlstand zu verhelfen, so dass sich Kinder nicht mehr prostituieren müssen.

Es sind nämlich nicht die Bilder, die unbedarfte Eltern ins Netz stellen, oder Fotografen wie ich bisweilen von Kindern machen. Es sind Bilder, die zu keinem anderen Zweck von obskuren Leuten in noch obskureren Studios irgendwo gemacht werden.

Warum mich das als Fotograf ärgert?

Wie gesagt, als Vater, aber auch als engagierter Ehrenamtlicher in der Jugendarbeit macht mich das „stocknarrisch“, wie wir hier in Bayern sagen.

Als Fotograf finde ich, dass mich die westliche Obsession mit dem Rechts am Bild, die perfiderweise mit Bilderfluten auf Instagram, Facebook & Co einhergeht, davon abhält, die heutige Welt zu dokumentieren. Künstlerisch umzusetzen.

Das „Wahre und Schöne“ nannte man das wohl einmal.

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Eine alte, weißhaarige Dame, die zusammen mit ihrer farbigen Enkeltochter in einem Kettenkarussell sitzt. Herbstfarben. Lachen, Wind in den Haaren. Ein großartiges Bild. Noch vor 25 Jahren hätte man vielleicht einen Preis dafür bekommen. Heute hängt es in meinem Arbeitszimmer. Ich würde nicht wagen es zu publizieren.

Die Welt wird ärmer ohne ihre Biografen, zu denen ich auch uns Fotografen zähle. Henri Cartier Bresson griff in den letzten zehn Jahren seines Lebens fast nur noch zum Zeichenstift. Die Alternative sind Bilder wie die, die diese Gedanken begleiten.

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Ich habe mir übrigens einen neuen Skizzenblock gekauft.

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