Spiel

Was haben Vögel mit Spiel zu tun?

Nun sie spielen. Leidenschaftlich gerne. Mit sich, mit uns, mit einer Nuss um sie zu knacken.

Vögel  Spiel 1

Vögel Spiel 1

In gewisser Hinsicht spielen sie auch mit meiner Fantasie. Nein,nicht die Singvögel in meiner Hecke … eher die Raubvögel, die kreisend den warmen Wind unter ihren Flügeln spüren – ein Gefühl, das mir nicht einmal als Segelflieger vergönnt war. Des Menschen uralter Traum vom Fliegen ..

Andererseits werden auch jene zu komischen Gestalten, wenn sie auf den Pfosten hocken, die wir für sie in die Landschaft stellen, damit sie überhaupt noch etwas haben, auf dem sie sitzen können. Sic transit gloria mundi … Die Freiheit des großen Räubers reduziert auf .. ja was eigentlich? Irgendwie ist er ja noch frei und doch zwingen wir ihm unseren Willen auf.

Da sind mir die Krähen und Raben doch lieber …

Vögel - Freiheit 2

Vögel – Freiheit 2

Sie spielen … ich habe mich in den letzten Tagen intensiver mit Johan Huizingas „Homo Ludens“ auseinandergesetzt. Ein wahrlich spannendes Buch, das mir Joachim Klose wieder ins Gedächtnis gerufen hatte. All unser Handeln ist bestimmt von dem Trieb zu spielen … nichts ist uns wirklich. Wenn man bedenkt wann Huizingas dieses Buch schrieb und dass es vor gar nicht so langer Zeit Nobelpreise für die Erforscher der Spieltheorie im ökonomischen Handeln gab …

Aber meine Raben … sie begleiten mich durch diesen November, der kein einfacher ist. Ich sehe sie oft am Straßenrand und fast immer scheint ein leicht herablassendes Lächeln ihren Schnabel zu umspielen; so mögen vielleicht die Halbgötter der griechischen Mythologie uns Sterbliche betrachtet haben.

Vögel - Spiel 3

Vögel – Spiel 3

An kalten und grauen Tagen zaubern sie mir doch ein Lächeln …

Ich will nicht hier sein
und nicht da

Ich will nicht im jetzt sein
und bin es doch

Ich komme nirgendwo hin.
Ich komme immer nur her.

Farewell

Ich hatte meine Bedenken, ob ich wirklich einige der Bilder dieses letzten herbstlichen Spaziergangs online stellen sollte. Im Herbst scheint einfach jeder zu fotografieren; Farben, Strukturen, Luft, Licht … alles scheint zu inspirieren.

Ich war schon immer lieber Solist, vielleicht sogar Solipsist.

Und doch kann auch ich mich diesem großartigen, letzten Aufbäumen der Natur, bevor sie wieder von einem dünnen, weißen Film überzogen wird, nicht entziehen. Nun gut, hier in Bayern ist dieser Film bisweilen auch etwas dicker; nichtsdestotrotz ist die Auswirkung dieselbe.

Herbst 1

Herbst 1

Ein tiefer Schlaf scheint sich allem und aller zu bemächtigen.

Aktivitäten mögen sich auf Pisten oder auf Christkindlmärkte verlagern; mit letzteren kann ich mich arrangieren, erste sind zur Modebühne der Eitelkeiten, zur Darstellungslandschaft unserer ach so sportlichen Gesellschaft verkommen. Es ist schon lange nicht mehr der Spaß am „Schifoan“, wie Wolfgang Ambros einst sang, sondern das Sehen und Gesehen werden, vor allem aber der Sonnenbrand am Montagmorgen der beweist: ich gehöre dazu.

Aber ich schweife ab.

Herbst.

Es ist immer wieder Rainer Maria Rilkes wunderbares Gedicht Herbsttag, das mir durch den Kopf geht, wenn ich an solchen Tagen ein wenig durch die Fluren stromern darf:

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.

Ein wenig später, bevor Rilke auf die Zeit zu sprechen kommt, der wir uns jetzt langsam nähern, heißt es:

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage …

Herbst 2

Herbst 2

Von allen seinen Gedichten ist es mir fast das Liebste, vielleicht einmal abgesehen einmal vom Panther, aber das mag biografische Gründe haben.

Der Herbst symbolisiert für mich noch mehr den Wandel als der Frühling. Es ist schwer zu begründen, vielleicht liegt einfach die Schwermut stärker in meiner Natur. Ich mag es, wenn die gefallenen Blätter beim Morgenlauf um meine Beine wirbeln, wenn ich alle paar Meter stehen bleiben könnte um eine Momentaufnahme der Natur als Skizze festzuhalten. Es ist dieses letzte Aufbäumen, die unglaubliche Pracht der Farben und Formen, bevor sie als formlose Masse durch die Aufsicht der Münchner Gärten und Parks entsorgt wird, die mich fasziniert.

Auch der Übergang zum Tod, in Form brauner Blättermassen, wie man sie jetzt schon und bald noch mehr beim Spaziergang durch die umliegenden Wälder sieht hat etwas Anziehendes, etwas Endzeitliches. Das allgemeine Braun schreit förmlich nach schwarz-weißer Darstellung und harrt des weißen Films, der es in absehbarer Zeit bedecken wird.

Herbst 3

Herbst 3

Zumindest solange noch, bis der Klimawandel an Bayerns Seen Palmen sprießen lässt. Aber dann werde ich diese vermutlich schon von unter betrachten.

Oder war das jetzt wieder einer der vom dahin treibenden, braunen Laub inspirierten trüben Gedanken? Wie schreibt Rilke doch so schön:

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.