Hände

Mani.

Manchmal spiele ich einfach mit der Kamera, so wie ich es nicht lassen kann, mit einem Stift ein leeres Blatt Papier zu füllen.

Leere ist eine Herausforderung.

„Doodle“ nennt man dieses Spiel mit dem Stift auf Papier auf Englisch, meiner anderen Muttersprache.

Ich glaube, ein Ausdruck für das Spiel mit der Kamera wartet noch darauf erfunden zu werden.

Was entdeckt man beim Spiel?

Seine eigenen Hände.

Hand one

Hand one

Ein faszinierendes Werkzeug.
Was kann man nicht alles mit seinen Händen tun …

streicheln …
schlagen …
trösten …
drohen …

berühren … lieben …

Tränen trocknen ebenso wie Tränen verursachen …

Ich habe sie einfach nur betrachtet.
Und habe festgestellt, dass der Meister gar viele Linien hineingemeißelt hat.

Meine Hände.

Sie haben wohl mehr getröstet als geschlagen – letzteres nur auf einer Matte und strengen Regeln gehorchend.

Liebe spenden – das sollten wir wohl mit unseren Händen tun.

Hand two

Hand two

Der Satz, der mich eigentlich zu diesem photographischen Experiment inspirierte war „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Es gehört zu meinem Abendgebet.

Ein Freund warf mir einst vor, das sei Flucht.
Weglaufen vor der Realität.

Flucht ?
Nein. Wirklich nicht.

Vertrauen ist keine Flucht.
Sich helfen lassen auch nicht.
Einfach eine Hand nehmen, die darauf wartet genommen zu werden.

Ich wünsche jeder und jedem, dass sie dieses Vertrauen aufbringen und einen himmlischen – oder irdischen – Vater haben oder finden, der eben dieses Vertrauens, dieser Liebe, Wert ist.

Benn

Doch, doch, stimmt schon. Nicht Ben, als Kurzform von Benjamin, sondern Benn, Gottfried Benn. Als ich mein Blog über die grauen Zeiten schrieb, war er mir sehr präsent, ich habe viele seiner Gedichte wieder gelesen. Ich denke den meisten wird zumindest seine „Krebsbaracke“ noch im Gedächtnis sein. Meist bekommen es die Schüler, wie so vieles im Schulalltag, viel zu früh um die Ohren gehauen, als dass sich ein tiefes Verständnis für den Inhalt des Gedichtes oder gar die psychische Verfasstheit des Autors einstellen könnte.

Warum gerade heute Benn, nachdem, zumindest hier in in Deutschlands Süden, fast die ganze Woche die Sonne schien?

Spring Flower 2

Spring Flower 2

In der FAZ fand ich diese Woche einen Artikel unter dem Titel „Mein schäumender Lebensbecher“; zufällig war ein frühes Liebesgedicht Benns aufgetaucht, dass ich dem Verfasser der Krebsbaracke nie zugetraut hätte:

Meines heißen, wilden Herzens
Sünd‘ u. Sehnsucht wollt‘ ich nun
Dir in Deine Hände geben:
Nimm es hin u. lass es ruhen.

Ich möchte es nicht weiter zitieren. Wen es interessiert, der kann es leicht googeln – und ich bin mir der Copyright Implikationen heutzutage nicht mehr so sicher. Das Original wurde am 16. April bei Stargardt in Berlin versteigert.

Liebe, und sei sie noch so überschäumend, beinhaltet immer eine ungeheure Kraft. Sie treibt einen an … sie bringt einen zum Blühen .. ein wenig wie es die Sonne der letzten Tage mit den Pflanzen tat, die nur darauf gewartet zu haben schienen.

Spring Flower 1

Spring Flower 1

Die Sonne.
Einfach nur auf der Haut zu spüren.

Ich habe mich diese Woche auch mit der Übersetzung einiger Gedichte von Philip Larkin befasst; so kommt dann doch der Schatten wieder zurück ins Leben. Eines davon, „No Road“, hat mich zu einem Haiku inspiriert:

Wege leer, Büsche wachsend.
Türen vermauert.
Und doch fliegt das Laub herum.

Es gibt immer Hoffnung.
Auf ein morgen.
Auf die Sonne.

Enjoy 🙂

Bilderflut

Ein Strand bei Cascais, eine Eisenbahnbrücke in Edinburgh … so viele Bilder so viele Erinnerungen.

Unser Leben wird mehr und mehr von Bildern beherrscht. Sollte mich das als Photograf nicht freuen? Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht.

Mich haben Bilder immer inspiriert. Ob es eine Rembrandt Zeichnung, Paul Klee oder Aquarelle von August Mackes Tunesienreise waren – um nur einige zu nennen und Photografen bewusst außen vor zu lassen.

Cscais

Cscais

Meine eigenen Bilder, Skizzen und Photographien sind noch einmal etwas anderes. Oft enthalten gerade die unbedeutenden unglaublich starke visuelle Momente, die sich nur mir selbst erschließen. Die Emotionen, die Erinnerungen lostreten, fast wie eine Woge.

Nach einem anstrengenden, doch wirklich erfolgreichen samstäglichen Seminartag, saß ich gestern Abend über zwei Büchern. Zum einen eben jener Band mit Mackes Aquarellen, die mich mit ihren bunten Farben in den Orient zogen und meine Reiselust weckten. Am liebsten wäre ich sofort in den Maghreb aufgebrochen ….

Zum anderen bin ich in Annie Leibowitz’ „A Photographer’s Life“ eingetaucht. Wohl der persönlichste Photoband, den sie je gemacht hat. Mit Bildern über ihre Familie und unglaublich bewegenden Aufnahmen, die ihre lange Liebesbeziehung zu Susan Sonntag bildlich erfassen.

Es spricht dafür, dass auch sehr persönliche Bilder, wenn sie richtig zusammengestellt sind, in der Lage sind zu anderen sprechen, zumindest wenn diese bereit sind sich einzufühlen.

Bridge

Bridge

Es ist aber eigentlich nicht, worauf ich hinaus wollte.

Annie Leibowitz Bilder, auch ihre persönlichsten, sind vom Auge eines wirklich sehenden Menschen gestaltet.

Wenn ich kurz auf Facebook schaue, wenn ich den ganzen gestylten, oder den ganzen bedeutungslosen Unsinn betrachte, den man dort finden kann …

Wir scheinen in einer Bilderflut zu ertrinken. In einer Flut, die in ihrer Oberflächlichkeit, schon bald nicht einmal mehr Erinnerungen hervorrufen wird.

Weil alles gleich aussieht.

Weil das Besondere fehlt.

Weil der Blick fehlt.

Zweckpessimismus?
Eigentlich nein. Relativ nüchterne Beobachtung.

Und doch wäre ich jetzt gerne in Tunesien, oder in Portugal oder .. in einem kleinen Pub in Edinburgh, gleich neben der Waverley Station  …

Grigio

Warum ich das italienische Wort für grau benutze?
Vielleicht weil „grau“ in Italien seltener in Erscheinung tritt.

Der graue Alltag

Mir scheint das eine sehr deutsche Formulierung, vielleicht sollte ich präzisieren, eine sehr deutschsprachige Formulierung. Es gibt sie wohl auch in Österreich und in der Schweiz.

Wie soll man grau fotografieren?

Grau ist keine Farbe, es ist eher ein Zustand.

Noch nicht einmal das.

Grau

Und nein, ich mag auch keinen Pinot Grigio.

Ich halte diese italienische Version des Grauburgunders für relativ – im wahrsten Sinne des Wortes.

Relativ geschmacklos. Relativ leicht. Relativ nichtssagend. Relativistisch im Sinne des letzten Papstes.

Eigentlich ist es also ein Blog über nichts.

Es gibt nichts Schlimmeres als grau. Gut, vielleicht kaltes grau, was wiederum keine wirkliche Farbe ist. Es ist mehr ein Seelenzustand.

Ich hatte eigentlich noch nie in meinem Leben depressive Neigungen, aber dieser graue, nicht enden wollende Winter … Neben einigen italienischen Cantautori, vielleicht in der Hoffnung auf Sonne, habe ich in den letzten Tagen ziemlich oft „Passenger“ gehört. Die Lieder riefen in mir eine große Sehnsucht nach meiner alten Heimat Schottland hervor und vielleicht auch jene typisch schottische Melancholie, die eigentlich nur stärker wird, wenn man versucht sie mit Whisky zu bekämpfen.

grau.

flach.

farblos.

lieblos.

emotionslos.

emotionslos?

Nicht wirklich.

Mich macht dieses grau langsam wütend.

Langsam sehe ich rot.

Rot

Rot

Aber wie soll man jetzt in der Natur rot fotografieren?

Vielleicht in Rückgriff in vergangene Zeiten.

Eine Hoffnung.

Auf Sonnenschein.

Auf Wärme.

Auf Liebe.

Auf … ja …auf mehr. Egal was.

Vielleicht hoffen wir einfach zusammen.

Das Bayern 3 recht hat – zumindest für meinen Mikrokosmos.