Snowflake

Ein grauer Morgen.

Schneeflocken Mitte März.

Ich musste an die Bücher von Pierre Basieux denken, die sich mit mathematischen Problemen und Strukturen zwischen Wirklichkeit und Fiktion auseinandersetzen.

Die Struktur der Schneeflocken ist mathematisch beschreibbar, ihre Schönheit jedoch nur ästhetisch wahrnehmbar und bis zu einem gewissen Grad darstellbar. Das für mich faszinierende ist die Vielfalt der Formen in der Einheit dessen, was wir als Schönheit empfinden.

Warum empfinden so viele von uns die Schneeflocke als schön? Warum erscheint sie uns gar als Symbol von Reinheit, von Unschuld?

Komplexe, symmetrische Gebilde.

Ob wohl unsere Seele, oder unser Gewissen ähnlich strukturiert sind?

Verlangt das Gewissen auch nach gewissen Symmetrien? Können wir Gut und Böse, die sich aus erworbenen Analogien speisen, nur symmetrisch wahrnehmen?

Schneeflocken

Schneeflocken

Ich versuchte heute morgen fallende Schneeflocken festzuhalten. Es war ein Experiment mit unterschiedlichen Einstellungen, Belichtungszeiten, Blenden … es sollten Bilder für ein Ausstellungsprojekt werden, das unter dem Arbeitstitel „Forma d’Acqua“ läuft und im Herbst dieses Jahres realisiert werden soll.

Die Formen des Wassers. Eigentlich hat Wasser gar keine Form. Wir finden oder empfinden es in den Formen, die wir ihm geben. Genau darum wird es auch bei der geplanten Ausstellung gehen.

Während ich zahlreiche Aufnahmen machte und Notizen schrieb, gingen mir die Ideen Basieux zur Struktursymmetrie durch den Kopf, ich machte mir aber auch Gedanken zu Zufall und Wahrscheinlichkeit. Wo würde die nächste interessante Konstellation dicker Flocken auftauchen?

Nicht einfach.

Fast wie im richtigen Leben.

Manchmal denke ich die Ereignisse fallen langsam vom Himmel wie Schneeflocken und wir stehen fasziniert daneben und sind nicht in der Lage zuzugreifen und unser Glück zu machen, wie es bei den Gebrüdern Grimm heißt. Ob es wohl immer ein Glück wäre? Ob wir durch das uns innewohnende Zögern bisweilen beschützt werden?

Ich weiß es nicht.

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte mich bei den wirklich wichtigen Dingen im Leben leichter entscheiden. Andererseits: was sind die wirklich wichtigen Dinge im Leben?

Darf ich dich zitieren, liebe Ruth?

Muss man es wissen?
Soll man es wissen?

Ich gestehe: manchmal wüsste ich es schon gerne. Das dahinter liegende mathematische Konzept einer Schneeflocke. Was die Welt im innersten zusammenhält.

Oder warum man sich verliebt.
Das dürfte wohl am schwersten zu berechnen sein.

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