tela di ragno

Eigentlich ist es ein Lied des vielleicht besten Cantautore, mit „Liedermacher“ nur unzureichend übersetzt, den Italien im Moment zu bieten hat, Gianmaria Testa, das mich auf dieses Bild brachte und meine Gedanken in eine bestimmte Richtung lenkten.

Sono un tela di ragno sospesa singt er. Ich bin ein Spinnennetz in der Schwebe. Fühlt sich nicht jeder manchmal wie so ein Spinnennetz? Frei schwebend, dem Wind ausgesetzt. Nein, nicht wie die Spinne im Netz, wie das Netz selbst.

Zart, irgendwie schutzlos, eine durchfliegende Hummel zerreißt es mir nichts dir nichts. Reißenden Winden jedoch hält es oft lange stand. Ich habe eine Holzfassade, wo ich im Herbst und selbst noch im frühen Winter oft fasziniert beobachte, wie lange die Überbleibsel eines längst vergangenen Spinnenlebens den Elementen trotzen.

Manchmal wünschte ich mir eine ähnliche Widerstandskraft; manchmal ist es so sinnlos sich widerstrebenden Kräften zu stellen; man erreicht mehr, wenn man mit den Kräften ein wenig mitgeht, um dann in seinen Ausgangsstellung zurückzuschwingen. Winde verblasen sich, das Netz bleibt und erfüllt seinen Zweck.

tela di ragno

tela di ragno

All das kam mir in den Sinn als ich am Starnberger See dieses gefrorene „Spinnennetz“ fand. Man braucht sicherlich erheblich mehr Energie um es zu zerstören, es war jedoch eher die Ästhetik und eine gewisse mathematische Strenge, die mein Auge anzog.

Gianmaria Testa gehört seit längerem zu meinen Lieblingspoeten, denn die Poesie ist das zentrale Element seiner Kunst, auch wenn er seine Worte mit wunderbaren Melodien unterlegt. Er vermag Melancholie zu schaffen und wieder aufzulösen, Liebe mit einfachen Worten, niemals schwülstig, zu besingen und regt bisweilen äußerst subversiv zur Auseinandersetzung mit der Welt in der wir leben an.

Sono la cosa che voglio e non posso – Ich bin die Sache, die ich will und nicht kann; so endet das Lied das vom Spinnennetz. Mir geht es oft ähnlich.

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3 Gedanken zu “tela di ragno

    • Freut mich, seine Lieder decken wirklich ein weites Spektrum von subtil politisch bis zu wunderschönen Liebesliedern ab. Von den CD’s gefallen mir Seminatore di Grano und Lampo an besten – aber man sollte schon des Italienischen leidlich mächtig sein, sonst entgeht einem wirklich die Poesie.

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