Andacht

Seit langer Zeit befasse ich mich mit der Abbildung des Spirituellen in der Fotografie. Wie kann man einen spirituellen Moment erfassen, die Spiritualität, den Geist eines Ortes bildlich wiedergeben. Viele Bildbände sogenannter spiritueller Orte bieten lediglich Landschaftsfotografie, mal besser mal schlechter, aber die Bilder sind nur in den seltensten Fällen in der Lage den „genius loci“ wirklich zu transportieren, von tanszendieren gar nicht zu sprechen.

Andacht

Das deutsche Wort „Andacht“, das man eigentlich erst seit dem 13 Jahrhundert in der heute üblichen Bedeutung des „Denkens an Gott“ gebraucht, gefällt mir sehr gut; besser als viele Äquivalente in anderen indo-europäischen Sprachen. Im Denken an etwas ruhig werden, Frieden finden.

Persönlich fällt mir das schwer, wenn ich unter vielen Menschen bin; selbst an wahrlich spirituellen Orten. Um so mehr faszinieren mich Menschen, die selbst in der größten Menschenmenge dazu in der Lage zu sein scheinen. Ich habe schon oft einzelne in der Menge fotografiert, wenn mich ihr Gesichtsausdruck interessierte.

Gott finden, wenn man in der Masse steht. Dazu gehört Kraft.

Biegen

nicht brechen, schrieb ich heute einer wirklich guten Freundin. In diesen drei Worten liegt eine Tiefe Wahrheit, die ich schon oft versucht habe, bildlich umzusetzen. Im Westen ist das Erreichte oft das Maß aller Dinge, ebenso wie wir meist versuchen, einem möglichen Schmerz, sei er psychischer oder physischer Natur, entgegenzuarbeiten.

Richtiger wäre es dem Leben Richtung zu geben, ohne zu viel zu wollen.

Richtiger wäre es den Schmerz anzunehmen, ihm nachzuspüren und ihn so zu überwinden.

Als ich im späten Winter dieses Jahres an den Osterseen spazieren ging, hing ich genau diesen Gedanken nach, als ich anfing mit Bokeh Effekten im Riedgras zu spielen. So ähnlich stelle ich mir das verblassen eines Gedankens vor, den man gerne los wäre.

Natürlich kann man all das auch abstrakt durchdenken und auf die Macht des Gebets verweisen; mir hilft jedoch bisweilen die bildliche Umsetzung.