Noise

Warum ich einen englischen Titel wähle? Nun zum einen werde ich hier hin und wieder auch Englisch schreiben, ich bin auch mit dieser Sprache aufgewachsen, hier hat es jedoch mit dem Begriff „Noise“ zu tun, der in der englischen Sprache mehrdeutig ist. Zum einen kann man ihn mit  „Lärm“ übersetzen; eine Konsequenz des modernen Lebens, die untrennbar mit dem städtischen Leben verbunden ist. Sie scheint Vitalität zu signalisieren und macht doch krank. Genauer gesagt, sie macht krank wenn man ihr nicht mehr entrinnen kann. Wenn der Druck auf den Ohren gar nicht mehr aufhört. Wenn man nicht mehr in der Lage ist Stille zu finden – oder zu ertragen.

Vor einigen Monaten besuchte mich ein Freund, der mehr oder weniger sein ganzes Leben in Mexiko City verbracht hat; ihm war die nächtliche Stille in unserem Garten fast körperlich unangenehm.

Noise“ beschreibt aber auch etwas, das Fotografen auf Deutsch „Bildrauschen“ nennen und das mit dem Eintreffen der digitalen Fotografie eine immer größere Bedeutung erlangt hat. Jenes Bildrauschen gab es schon immer, früher nannte man ein Bild mit „Rauschen“ ein grobkörniges Bild. Es war oft ein Bild, das zu schnell oder hart entwickelt war, ein Bild bei dem man ob der Lichtverhältnisse einen Film mit hoher Lichtempfindlichkeit verwenden musste. Das Bild wies eine hohe Körnung auf, ähnlich wie bei den Klischees, als die Zeitungen noch im Bleisatz gedruckt wurden.

Es ist mit der Digitalisierung deutlich schwieriger geworden  Bildrauschen als Gestaltungsmittel einzusetzen, das analoge Korn war unregelmäßiger, die absolut regelmäßigen Pixel sind meist unschön … ja fast lästig. Mit technischen Mitteln lassen sie sich in den Griff bekommen, wenn man sich damit abfindet, dass auch Digitale Spiegelreflexkameras nicht die absoluten Alleskönner sind, als die sie oft dargestellt werden.

Ähnliches ginge vermutlich auch beim Lärm, wenn wir uns endlich einmal darauf einlassen würden beim Verkehr Selbstbeschränkung zu üben und die allgegenwärtigen Straßenparties nach innen zu verlagern. Der Vergleich mit dem viel zitierten Süden fasst leider nicht. Wenn ich in Rom bin, dann ist es in den Cafés auf der Flaniermeile unter meinem Fenster spätestens ab 23 Uhr deutlich ruhiger und es geht bei weitem gesitteter zu als in der Münchner Innenstadt.

Cortesia heißt das Stichwort – etwas das uns hierzulande langsam aber sicher verloren geht.

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